Donnerstag, Jänner 31

Familienflash

Meine kleine Schwester, die sich in der Enge unserer kleinen Heimat beklemmt fühlt, aber doch nicht den Mut aufbringt, sie zu verlassen, hat mich besucht, um ein klein wenig Großstadtluft zu schnappen. Mit dem Ergebnis: So schnell wie möglich wieder abgehauen. Aus irgendeinem Grund muss sie sich hier extrem unwohl gefühlt haben und ich bin noch nicht ganz draufgekommen, warum. Sie ist sogar eine Stunde zu früh zum Zug gelaufen, weil sie sich in der Zeit vertan hat.
Meine Hoffnung, dass sie zu mir hierher ziehen könnte, ist also auf ein Minimum reduziert, aber wie jedesmal, wenn ich enger in Kontakt mit einem Familienmitglied gerate (viel stärker als wenn ich nur Telefonkontakt pflege), zieht wie ein schiacher Filmstreifen meine verkrachte Kindheit an mir vorbei. Ich ermahne mich dann immerzu: Du bist hier, du bist erwachsen, du bist weggekommen. Gut weggekommen sogar. Alles ist gutgegangen und die Dinge, die du erlebt hast, sind dir im Nachhinein zum Vorteil gereicht. Das wirkt normalerweise auch wunderprächtig. Ich schätze mich glücklich, freue mich meines hiesigen Lebens, bewundere mich ob der Tatsache, dass ich dem Kindheitsteufel so kunstvoll von der Schippe gesprungen bin.
Weil aus mir eh was nettes, liebes geworden ist. Ehrlich.
Aber heute kam nach langer Zeit wieder ein Austicker. Meine Mutter am Telefon angeschrieen, sie schreit zurück, sie hätte besseres zu tun, als 'meinen Scheiß', legt auf.
Ich stell mir dann ja immer vor, dass sie nach dem Auflegen ihr Leben komplett entspannt weiterlebt. Bügle sie gerade und sähe Tatort, würde sie das weitertun, als wäre nichts gewesen. Säße sie im Wohnzimmer und tränke sie mit ihren Freundinnen Kaffee, würde sie das weitertun, als wäre nichts gewesen. Schlafe sie und träumte sie schöne Dinge, würde sie das ohne mit der Wimper zu zucken, fortsetzen, während ich zerstört am Schreibtisch hocke und wie paralysiert Internetseiten anklicke, um mich abzulenken. Dazwischen in die Küche gegangen und im Vorbeigehen von j² gelobt worden, dass ich meiner Mutter derart Saures gegeben habe.
Das erinnert mich an den Anlass, warum ich meine Mutter anrufen musste, um ins Telefon zu schreien. Ich war nämlich heute Vormittag beim Zahnarzt gewesen, dessen ausgesprochen zuvorkommende Assistentin mir mitteilte, dass ich keinen Versicherungsanspruch hätte und sich meine e-Card in einem nicht abrechnungsbereiten Zustand befinde. Und das seit 2 Monaten.
Ratet mal, wer dafür verantwortlich ist.

Montag, Jänner 28

Aus dem Leben einer Jobsuchenden: Inserat Hasenstreichler/in. Wenn ich mich da bewerbe, verdiene ich mehr als als Kellnerin.

Sonntag, Jänner 27

Dienst 17.00 bis 01.00 Uhr

Am Tag nach einem vielstündigen Einsatz bei meiner Kellnerinnenarbeit, volle schwere Menüteller mit unnötigem Krimskrams darauf schleppend, die garniert mit ekligfarbenen Schäumen und Moussen am Ende doch keinem schmecken, lege ich mich gerne mal nachmittags eine Stunde ins Bett.

Ein solches Liegen ist meist nur dazu da, dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich zu erholen, während mein Geist hellwach nebendran liegt und nachdenkt. Aber nur ganz leise, Lesen z.B. mag er nicht länger als eine halbe Stunde, dann gibt er auf und der Körper dreht sich synchron auf die Seite, Decke über die Ohren.
Nützt aber nichts. Ich vergesse da nämlich kurzfristig immer, dass ich in einer 5er-WG lebe. Es sind ja nicht meine Kinder, die ich anmaulen und ins Zimmer schicken kann, (wie das meine Mutter früher in solchen Situationen gemacht hat. Heute verstehe ich zumindest, warum das nötig war. Sie wollte, sie musste entspannen. Wenigstens 10 Minuten.) Meine Mitbewohner aber wollen sich unterhalten, und am liebsten tun sie das im Vorhaus. Da treffen sie sich, direkt am Ende des Ganges von meinem Zimmer und erzählen sich dies und das, lachen, rumpeln, kramen herum, oder wenn sie den Geschirrspüler ausräumen, dann gern nachts um 1 oder morgens um 8. Immer wenn ich eben schlafe.
Mein und Kerls Zimmer (nein, der hat damit keine Probleme. Er schläft wie ein Stein und sieht dabei süß aus wie ein Baby) liegt einfach schlecht. j²s Zimmer liegt auch am Gang, aber der hat ein Hochbett, wo kein Schall raufkommt. Der Schall müsste die Kurve nehmen, das tut Schall nicht.

Wir jedoch liegen hinter einer Türe, die zum Gang hin einen 3 cm großen Spalt zw. Tür und Boden aufweist. Altbautraum. Ich stopf auch schon mal Zeugs davor, aber Pustekuchen. Ich hör alles, was ihr redet, meine Lieben! Wort für Wort, Lacher für Lacher, Teller für Teller. Und ich weiß auch, wieoft und wielang ihr auf Toilette müsst.

Man darf sich aber nicht beklagen, wir haben dafür null Straßenlärm, weil das Fenster auf einen hübschen Wiener Hinterhof hinausgeht. Da hört man höchstens im Sommer ab 6 Uhr früh Wassertropfen, die aus den gerade frisch gegossenen Topfpflanzen vom Balkon gegenüber hinuntertropfen und auf dem Asphalt aufschlagen. Ahhhh.

Freitag, Jänner 25

Der Bokuball war für mich heuer der totale Reinfall. Erst die frohe Botschaft, dass ich als Neo-Echtmensch und Ex-Student satte 50 Euro Eintritt zu bezahlen hätte (erklärte sich dann ganz schlüssig aus einer Nachricht in der Wirtschaftszeitung, die der Kerl als Selbständiger regelmäßig mit der Post zugeschickt bekommt: Miete Hofburg 100.000 Euro.). Damit war für Kerl und mich der Ball eigentlich gelaufen, von soviel Geld leben wir nämlich sonst eine ganz gute Weile. Am Dienstag dann organisiert der Kerl in einer Abendvorlesung eine Freikarte für mich, die keinen gültigen Studentenausweis erforderte. Wir kaufen also diese Karte (22,-) einer netten, sehr jungen Dame ab, ich besorge zusätzlich: neue rote Haarfarbe (7,49), einen neuen rosa Lippenstift (8,49), eine mikrofaserne Strumpfhose (2,99), Haarklemmen (1,49), Make-up (6,99). Ich will hier keine Erbsenzählerin markieren, ich will nur klarstellen: Wer soviel ausgibt (Taxigeld und Getränke gar nicht eingerechnet), der will eine Spaßgarantie.

Aber nix da. Das Leben gibt keine Garantien.

Ich war in den letzten Monaten selten wo so müde und gelangweilt. Das einzig Spannende war die im Laufe der Nacht zweimalige Begleitung einer äußerst reizenden Freundin, die sich einen geheimen Ort in der Hofburg gesucht hatte, um in Ruhe gewisse Ingredienzien inhalieren zu können (zu ihrer Vereidung muss gesagt werden, die Gute verträgt keinen Alkohol und ist grundsätzlich Nichtraucherin, die Inhalation ist also ihr einziger Spaßmachfaktor). Ich respektiere alle Spaßmachfaktoren, obwohl ich selbst kein Fan von Gras bin. Ich selbst werd davon müde und falle sofort rücklings aufs Sofa (nicht dass ich es jemals probiert hätte).
Es gibt eigentlich keine rechte Erklärung dafür, dass sich ein Amüsement meinerseits dieses Mal überhaupt nicht einstellen wollte. Im Tüwi-Saal (eigentlich ein Kämmerlein im Vergleich zu den wirklichen Sälen im Hofburgkomplex) lief erst eine ganz gute Band (ein Bandmitglied war Querflötistin), danach Karaoke (bei dem das Zuschauen wirklich Spaß machen hätte können). Die Räumlichkeiten der Hofburg übten aufgrund meiner Arbeitseinsätze darin keinen nennenswerten Reiz mehr auf mich aus, während ich ringsrum viele Ohs und Ahs diesbezüglich vernehmen durfte.

Es scheinen sich alle amüsiert zu haben, bis auf mich. Meine Schuhe waren eine Zumutung (nicht nur mein Kleid – das mit Doppelklebeband oberhalb des Busen festgeklebt werden musste, damit es nicht runterrutschte – war mir in den letzten beiden Jahren zu groß geworden, auch meine Schuhe waren wie durch Hexenzauber eine Nummer zu groß für mich), der Kerl hatte mir vorne in die Spitzen Watte reingesteckt, damit ich hinten bei den Schlaufen nicht nach jedem 4. Schritt rausgleiten konnte. Die Garderobe verrechnete meiner Freundin 2,20 pro Kleidungsstück (nicht nur Mäntel, sondern auch ihr Pullover wurde verrechnet, wonach sie eine Rechnung von 6,60 nur für die Aufbewahrung von Kleidungstücken begleichen musste). Der so genannte DJ im Keller war diesmal wirklich grausam, direkt den Anfang 90er-Jahren entsprungen. Blöd zu bescheuertlustigen Neuedeutschewelle-Liedern herumhüpfen fiel also auch flach, denn der Typ schien nur u2 und Shakira zu kennen.

Das Schönste am ganzen Abend: Die Käsespätzle, die Kerl mir als Abendessen zubereitet hatte, als grundsolide Basis für einen ordentlichen Rausch, der sich trotz reingeschmuggeltem Flachmann bis obenhin voll Honigschnaps nicht einzustellen vermochte. Die Taxifahrt (Taxifahrten versprechen ein schnelles, schmerzfreies Heimkommen). Die Käsespätzlereste nachts um 4. Kein Kater.

Mittwoch, Jänner 23

3 Bücher, die dein Leben verändert haben

von denen du dir wünscht, jeder hätte sie gelesen:

1)
2)
3)

Vorgestern gefragt worden. Nicht zu glauben, dass ich darauf nichts zu antworten gewusst habe. Heute extra das Bücherregal durchsucht. Nichts. Oder zählt Gretchen, mein Mädchen von Christine Nöstlinger? Wohl kaum.
(Memo für 2008: Finde diese drei Bücher.)

Dienstag, Jänner 22

Inventur

Ich habe heute 242536 Kunstpostkarten gezählt.
Deshalb gibt's heute nix, nur Bett & aus.
Wenn man genauso easy 1-2-3 jedes Jahr seine Lebensinventur machen würde, schleppte man nicht ewig altes, unnützes Zeug mitrum, das im Hinterkopf spukt, ohne jemals genau abgezählt und auf einer ordentlichen Liste eingetragen worden zu sein.
Da fällt mir ein, dass hier immer noch die Liste fehlt, die aufzählt, was ich 2007 richtig gut gemacht habe. In der Top 10 auf jeden Fall mal: mit dem Rauchen aufgehört. Darüber freu ich mich nämlich jeden einzelnen Tag bisher.

Sonntag, Jänner 20

Depri-Kunde

Phobien

Das kleine Mädchen beschreibt heute Dinge, vor denen man Angst haben kann. Und beschwerte sich unlängst, dass hier drin so wenig geschrieben wird. Von mir. Und ich sage: Sie hat Recht. Das hat wiederum mit einer Angst meinerseits zu tun. Angst vor Verantwortung. Dabei geht es weniger um Verantwortung für jemand anders. (Unlängst ein tolles Bewerbungsschreiben verfasst. Nur nicht für mich, sondern für meine suchende Schwester.) Oder für ein Essen (gestern eine exakt passende Menge Fleisch von guter Qualität für das Raclette besorgt.) Diese Dinge beherrsche ich. Da hab ich Übung. Das sind Dinge, vor denen andere Menschen Angst haben. Meine Angst ist vielmehr zu wissen, dass ich eventuell mehr kann, als ich mir zutraue. Eventuell könnte ich großartige Blogeinträge verfassen, wenn ich länger dransäße, mir etwas mehr Mühe gäbe, etwas mehr Zeit investieren würde, tiefer graben und genauer (be)schreiben würde. Dasselbe: Meine Angst, dass ich eventuell einen guten Job machen könnte. Einen Traumjob. Also eher die Angst, darin zu versagen. Versagen mag ich nämlich gar nicht.
Gesetzt den Fall, ich würde hier drin etwas mehr Engagement zeigen. Wie ein richtiger Blogger. Richtige Blogger lesen auch andere Blogs (tue ich), und kommentieren diese (tue ich nicht). Durch kommentierendes Engagement bekommt man nämlich Leserzuwachs. Aber auch nur gesetzt den Fall: Man schreibt was Ordentliches. Davor hab ich wirklich Angst.
Stünde was Ordentliches da, würde das einige Dinge voraussetzen: Ich trennte mich von Google (Mail und Blogspot) und lernte endlich mit wordpress umzugehen. Ich gäbe diesen Blog auf und begänne endlich, Dinge zu fotographieren. Und ein ernsthaftes, (auch thematisch) in sich schlüssiges Design zu entwickeln. Neinnein.
Das geht gar nicht. Wie zeitintensiv wäre das denn? Und die Gefahr! Dass es sinnlos wäre, vergeudet. Deshalb werde ich auch nie Journalist, Werber oder gar Schriftsteller. Ich könnte es vielleicht, aber die Angst zu versagen. Unendlich.
Bis dahin serviere ich reichen Leuten überteuerten Hummer, tippe bestsellerverdächtige Manuskripte anderer Leute ab, zähle bunte Postkarten im Akkord und verschiebe den Tag, an dem ich das erste Motivationsschreiben verfasse, auf Sankt Nimmerlein.

Samstag, Jänner 19

Mitte Jänner

Ich gebe zu, es ist ziemlich uncool, wie eine Katze durch die Wohnung zu schleichen, nonstop Homöopathika auf seinen Schleimhäuten aufzulösen, der kompletten Mitbewohnerschaft nervtötende Mienen entgegenzuhalten, aber wie zur Hölle verhält man sich an diesem Tag? Wenn man das Gefühl hat, man hätte alles vergessen, was man JE gelernt hat, selbst buchstabieren!


Freude darüber, dass die Prüfung vorbei ist! Und jetzt? Ein paar Jobs am Laufen, nichts Richtiges. Dinge, wo man, wenn man da erzählt, man hätte ein fertiges Studium, verständnislose Blicke erntet. Macht die nix Richtiges? Was tut die denn noch unter uns? Verrückt! Ja verrückt, aber noch frei. Immerhin! Arm, aber noch frei. Immerhin reicher als während dem Studium, wo selbst fürs Jobsamlaufenhaben kaum Zeit war. Gestern dann eine überraschend nette Geburtstagsrunde, mit obzwar viel zuviel Curry (wahnsinnige 1,5 Gläser, die großen! vom Spar) und einer fragwürdigen Kürbiscremesuppe (die zwar ich gemacht habe, der angeschleppte Kürbis aber eher ungeeignet war; viel zu helles, geschmackfreies Fruchtfleisch, dem Aussehen nach eher eine Honigmelone). Aber sonst: toll. Der Kerl und ich haben freizügig unsere guten Schnapsflaschen hervorgeholt und kräftig ausgeteilt. Williams und Honigschnaps. Mafia-Spiel und danach eine Diskussion pro und contra Abtreibung. Kerl und ich selbstredend contra, eine Karrierefrau pro und dazwischen zwei Lesben, die meinungsmäßig irgendwo dazwischen schwammen. Eine höchst brisante Angelegenheit, die nur vom Schnaps geschmeidig gehalten wurde. Heut morgen erstmal die Küche und das Wohnzimmer vom Chaos befreien und als Belohnung weiche Eier, teueren Frischkäse und teuren Hartkäse von der Theke. (Muss man nur mal den Kerl verkatert einkaufen schicken, dass er sowas anschleppt.)
Mittwochs und donnerstags in einer Großküche, auf einem Treffen großer Autobonzen ("Die Automobilindustrie steckt in der Krise") und hinter einem Grill gearbeitet. 100 Grillspieße gebraten, dazu Letscho. ("Kann ich bitte was von der Gemüsesauce?").
Dieses freie Leben macht doch Spaß. Überlegungen, ernsthafte, die Zukunft betreffend, verschoben. Heute erstmal Raclette. Das Geburtstagsgeschenk j²s mit echtem Fleisch. (Wo Januar doch unser Diätmonat sein solle, ohneFleisch, nur Dustirbstwennduisst-gemäßes! Ha!)

Sonntag, Jänner 13

Warum immer sonntags?

Sitze in der Kälte. Die Heizung ist ausgefallen. Mitsamt Warmwasser. Kerl will ernsthaft kalt duschen.

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Kerl hat geduscht. In der Tat verrückt. Behauptet, dass ihm nachher voll warm war. Ich hab zum Aufwärmen geputzt. Es gibt nichts Herrlicheres als eine frisch geputzte Wohnung und frisch angelegte Kresse, der man beim Wachsen zusehen kann. Da ich nächste Woche bloß mittwochs arbeiten muss, bleibt mir genug Zeit, dieser anspruchsvollen Aufgabe nachzukommen. Falls da draußen jemand mit einer Bibliothek oder einem kleinen schicken Buchgeschäft sitzt, der geradewegs auf meine charmante Unterstützung gewartet hat, bitte melden. Hier bin ich.

Freitag, Jänner 11

Zwischen den Sphären

Derzeit läuft es so: Extrem müde, wach ab 8.30 Uhr, aber kein Antrieb tatsächlich aufzustehen und Kaffee zu kochen. Kerl steht weit vor mir auf, kocht schließlich den Kaffee und lernt emsig für seine Klausuren. Dh. ich versuche ihn ab- und seine Aufmerksamkeit von Glasscherben, die in der optimalen Größe von 15 mm am besten recyclebar sind, weg auf mich hinzulenken. Das geht auf Dauer nicht gut, weil mein Kerl wirklich viel zu tun hat. Im Gegensatz zu mir.
Oder sagen wir so: Ich hätte genug. Aber etwas zu tun, von dem man sich nicht besonders viel verspricht, will nicht so recht Spaß machen. Wir reden hier vom Ausfüllen von Bewerbungsbögen, von der Optimierung von Lebensläufen und vom Ausdenken von möglichst beeindruckenden, aber realistischen Softskills. Wir reden von Verzweiflung ob miserablen Englischkenntnissen. Diese 'gut' zu nennen, wäre schon Frevel. Obwohl ich beim WIFI-Einstufungstest ganz gut abgeschnitten habe, 17 von 24 Grammatikfragen richtig. Aber halt schriftlich! Und die waren echt baby. Immerhin wäre ich laut dem Test mit Level 5 einzustufen. Ist vermutlich 3. Klasse Hauptschule. Pfff. Kurskosten 365 Euro. Ein Wahnsinn und für mich nicht zu bezahlen. Dabei würd ich da echt gern hingehen.
Personalbogen also jetzt endlich ausgefüllt, 3 mal von vorne begonnen. Jetzt siehts ganz hübsch aus. Wollen Betriebe mit Personalbogen dann zusätzlich noch ein schriftliches Bewerbungsschreiben? Oder reicht es, den Bogen, der ohnehin bis auf die Knochen genau ist (Größe in cm, Geburtsjahr meines Vaters) wegzuschicken?
Heute kommt tatsächlich das klm zu Besuch. Ja.

Mittwoch, Jänner 9

Der Westbahnhof stirbt

Meine Liebe zum Westbahnhof wird wohl spätestens ab August keine Grundlage mehr haben. Der Westbahnhof wird zugesperrt und ab 2011 zu einem Regionalbahnhof degradiert. Die Züge werden dann nur noch ins poplige Niederösterreich fahren. Das Westbahngebäude wird eine Shoppingmall werden, wo sich Ramschladen an Ramschladen reihen darf. Der neue Hauptbahnhof kommt aufs spooky Südbahnhofgelände. Mein Entsetzen lässt sich kaum ausdrücken.

Dienstag, Jänner 8

Willkommen zu Hause

Obwohl ich 19 Jahre lang am Land gewohnt habe, in einem winzigen Dorf, bzw. in mehreren winzigen Dörfern, eines ländlicher als das andere und auch immer gerne dahin zurückkomme, ist Wien mein Zuhause geworden. Jedesmal wenn ich am Westbahnhof (oder inzwischen auch manchmal am Flughafen) ankomme, flüstert etwas in mir: Willkommen zu Hause! Darüber habe ich, glaube ich, letztes Jahr im Januar schon mal geschrieben, wie gut es sich anfühlt, am Westbahnhof sein Ziehköfferchen über den alten Fliesenboden zu ziehen und die Atmosphäre Wiens einzuatmen, die sich kaum wo echter als in diesem Bahhof anfühlt.
Die Straße runter, die 100 Treppen (ohne Lift) Koffer nach oben schleppen, Tür auf, Mäusegeruch, egal. Endlich daheim! Ein winzigkleines Mädchen unter einem riesen Tuchent liegen sehen, das uns Zuckerl und Geschenke aus Finnland mitgebracht hat. Unter anderem Finnischen Schnee und Finnische Waldluft (im Fläschchen).

Das kleine Mädchen hat im Gegenteil zu mir Heimweh. Nach Finnland. Das muss auch schön sein, wenn man zurückkehrt, dahin, wo man herkommt und eigentlich hingehört. Obwohl ich anführen muss, dass sie hier bedeutend mehr Licht abkriegt, die Worte kürzer sind und sie allein schon deshalb bei uns bleiben sollte. Nicht dass sie jetzt auch noch abhaut.

Was ich am meisten vermisst habe: FM4 (ja ehrlich, deutsche und schweizer Radiosender sind unbrauchbar), Frühstück, das ich mir selbst aussuchen darf (Kerls Mama stellt uns Brezeln hin. Da bin ich schier gezwungen, mir 3-4 von denen schön stückchenweise mit Butter bestrichen jeden Morgen einzuverleiben), hier jedoch: Müsli mit Joghurt und Obst. Abendessen, das ich mir selbst aussuchen kann: Mit Salat ohne Fertigdressing. Aber vor allem: Meine Dusche. Duschen mit dem eigenen Duschgel, die Stärke des Wasserstrahls so vertraut, die offene Gasflamme in der Therme ein wundervolles Geräusch, weswegen langes Duschen allein schon angebracht ist. Kochen mit dem eigenen Geschirr. Das rote Sieb, das ich schon seit 7,5 Jahren benutze. Das meinen Mutter schon jahrelang verwendet hat. Mein Reibeisen. Ich liebe mein Reibeisen, jawohl. Unsere Gewürze. Unsere Heizung. Unser Fernseher, der ab und zu den Ton oder das Bild abschaltet. Unser Fernseher, der kein Kabel empfängt. (Halleluja, Kabel ist Teufelswerk. Fühle mich darin jedesmal wieder bestätigt, wenn ich mir das mal wo reinziehen kann.) Schlafen mit der eigenen Decke. Auf der eigenen Matratze.

Ja, man sieht gleich, diesmal waren wir zu lange weg. Ich war noch nie so froh, wieder hier zu sein. Da können die Mäuse auf ihren kunstvollen Holzleitern und Hängebrücken Pipi machen, soviel sie wollen.

Mittwoch, Jänner 2

Silvester, II.

Der Kerl, seine guten Freunde und ich haben beschlossen, Silvester heute ab 21.13 Uhr nachzuholen. Also zu wiederholen.
Denn alles, was am echten Silvestertag nach 21.13 Uhr kam, war so Scheiße, dass es gar nicht erzählt werden kann. Und dieses Wort würde ich nicht benutzen, wenn es nicht angebracht wäre:
Ab Mitternacht auf einem Brandschutzteppich in einem Zimmer ohne Möbel am Boden gelegen und gewartet, bis um 5.50 Uhr der erste Zug nach Hause geht. Zu acht. Alle müde und sauer und gelangweilt. Nur der Kerl hat - wie immer - versucht, den Affen für uns zu machen. Über uns drei Biertische mit Buffet drauf, das wir nicht anrühren durften. Wir waren nämlich die Spalter. Die Spalter hatten bis 21.13 Uhr nämlich ein gutes, ein schönes Silvester gehabt. Noch zuhause. Mit Raclette, echtem Raclettekäse, Lamm, Maiskölbchen und einem Brot namens Knorzen oder so ähnlich. Aber dann hieß es: Zum Zug rennen, nach Ulm fahren, die anderen warten auf uns. Zu einer Party, die ich nicht mal mit 17 hätte feiern wollen. Inmitten von Mädels, die Robbie Williams und Justin Timberlake lieben und dabei fehlerfrei mitsingen können (das war längst nicht das Schlimme). Vor mir ein Typ, der im Viertelstundentakt wiederholte, wiesehr er meinen Österreich-Dialekt liebe (nicht das Schlimme, nein). Sag mal was, bitte. Der war aber ganz okay und hat mir seine Decke und sein Kissen geliehen. Ich lag dann da, auf einem fremden Kissen, unter einem Biertisch, auf Brandschutzteppich. Als Beschallung RnB-Scheiße und eine traurige Meute, die auf eine Party gefahren war, um Leute zu treffen, die ihrerseits gröhlend im Taxi auf die Suche nach einer "Disse" gefahren waren. Die kamen um 2.15 Uhr zurück, weil in der Silvesternacht alles bummvoll war (suprise).
Eine traurige Meute, die jemand eine Freude hatte machen wollen, der im Grund keinen Wert darauf legt. Eine Meute, die von einem sexy Raclette-Tisch und einem Werbinich-Spiel aufgestanden war um eine Stunde an der Stuttgart-Ulm & Biberach-Linie entlangzufahren und sich dann ob der unattraktiven Party (alle Sitzmöbel waren in ein Vip-Zimmer weggesperrt worden) unter einem Biertischbuffet grün zu ärgern, nicht zuhause geblieben zu sein. Nachts nochmal das Raclette anzufeuern, Singstar, Sekterdbeerlimes.
Ich hatte wenigstens ein Kissen.
Aber der nächste Tag kam nicht viel besser an:
Um 7.45 Uhr heimgekommen, geduscht, ins Bett gelegt, um 16 Uhr aufgewacht und nach 3-4 Folgen Dharma & Greg (oh mein Gott, es gibt einen Kanal, auf dem tagein tagaus nonstop Sitcoms laufen) versucht, in einer fremden Küche Palatschinken zu kochen.
Memo to me: Palatschinkenteig niemals mit Küchenmaschine zubereiten (Teig schäumt zwar wunderschön, klebt aber an der Pfanne fest und wird nicht durch, auch nicht bei einer Backzeit von 10 Minuten pro Palatschinke).
Memo to me II: Palatschinken niemals mehr in fremden Küchen zubereiten, die über Elektroherde verfügen, die sich bei Überhitzung ausschalten und zu piepsen beginnen, sobald man die Pfanne hochhebt (sic!).
Memo to me III: Pfannen, die bucklig sind, eignen sich hervorragend für Gasherde (wie wir in Wien einen haben), sind aber bei Elektroherden völlig fürn Arsch (Palatschinke in der Mitte pechschwarz, am Rand klebrig).
Kerls Stiefvater hat mich gerettet und Pizza bestellt.
Wir tun jetzt so, als wäre heute der 31., denn wenn das mein tatsächlicher Jahresbeginn war und man davon ausgeht, dass ein guter Start das Wichtigste ist, kann ich für 2008 jetzt schon einpacken.