Freitag, August 31

Donnerstag, August 30

Hilfe! und absurd sind die Wörter der Woche.

Unglücklich sein macht ne Weile lang Spaß, aber irgendwann beginnt es zu nerven.

Gestern wiederholt über die Studentenseelsorge nachgedacht, die es früher mal gegeben hatte. In der Kochgasse im Achten soll das gewesen sein. Keine Ahnung, ob sie immer noch dort wohnt, vermutlich hat Frau Gehrer sie vorsorglich abgeschafft. Angeblich konnte man da Hilfe finden, wenn man unter Studienendzeitdepression litt.

Für mich war ab dem Tag, an dem ich zum ersten Mal davon hörte, sonnenklar, dass ich diese ominöse Krankheit bekommen würde. Studienendzeitdepression. Das war vermutlich irgendwann 2002 oder 2003, zu einer Zeit, als ich dachte, alles erleben zu müssen, was das Leben so bietet (und wovon man in Büchern so oft liest).

Einem NLP-Mann hatte ich einmal erklärt, das Leben bestünde für mich darin, eine gewisse Liste an Punkten abzuhaken, die man einfach zu erleben hatte, um richtig gelebt zu haben.

Depressionen, Sexrevolten, Zigaretten zum Frühstück, Fremdgehen, Misserfolg, Paris im Frühling. All das waren Dinge, die man abhaken muss, befand ich in einer atemberaubenden Naivität. (Zu dem Typ bin ich allerdings nie mehr gegangen, weil ich ihn und seine Methode äußerst seltsam fand.)

Trotzdem war ich noch lang der Meinung, ernsthaft urbane Menschen leiden nun mal unter Dingen wie Wind, Kindheit, sozialer Ungerechtigkeit. Ich fand es sexy, mit Ringen unter den Augen um sieben Uhr morgens Wodka trinkend eine Zigarette zu drehen. Im Zuge dessen verlor ich meinen besten Freund, den ich punkteabhakend gegen ein paar einsame Nächte eingetauscht hatte.

Inzwischen bin ich schlauer geworden. Ich habe aufgehört zu rauchen, erwischte manchmal sogar Vormitternachtsschlaf, nahrhaftes Essen und führe ernsthaft mein Studium zu Ende. Die Studienendzeitdepression ist jedoch bittere Realität. Es sind die Nachwehen einer gierigen, schamlosen Zeit.

Inzwischen belaste ich damit aber auch den Kerl, der mich nur noch Beschwerdebrief nennt. Hilfe! Ich will wieder Frohheit, Liebe und Zuversicht. Mut und all das Zeugs soll wiederkommen und mich glücklich machen.
Als erstes könnte ich ins Schwimmbad gehen und mein Unterwassergerät
testen.

Mittwoch, August 29

Die Aussicht meines Fensters.

Auf all das zu starren, ist seit vielen Monaten mein Tagesgeschäft, während ich nebenbei vor mich hin magistriere. Bis vor einiger Zeit noch war ich der festen Überzeugung, der größte Brocken im Studium wäre geschafft, sobald die Diplomarbeit fertig ist. Ein Leben nach der Diplomarbeit kam mir so süß, so Zucker, so herrlich vor, dass ich es mir schon gar nicht mehr vorzustellen vermochte.
Nun ist es soweit. Heute tatsächlich jemanden für 100 Euro engagiert, der mir den Krempel korrekturliest. Mir! Der weltbesten... ach. Ich kann meine Textsau nicht mehr sehen. Der Typ, übrigens der einzige, der sich für diese glorreiche Aufgabe gemeldet hat, ist ein rechter Rüpel, der mir mit seinen spitzfindigen Kommentaren im Forum nur allzuoft (negativ!) aufgefallen war, aber grad das finde ich jetzt gut. Wenigstens jemand mit Profil und Meinung, der mein Zeugs korrigiert. Hoffentlich kommt der Knabe nicht auf die Idee, meine Arbeit genauso spitzfindig zu kommentieren, sonst spring ich ihm an die Gurgel. Ich finde diese Arbeit, die mich inzwischen seit Februar 2006 begleitet und ca. 6 Monate meines Lebens nonstop in Anspruch genommen hat, furchtbar genug.
Nun ist es also soweit. Ich aber fühle nichts.
Das Ding ist fertig, um zum allerletzten Mal Korrektur gelesen zu werden, danach geht's ab zum Binden. Wie oft habe ich, selbst noch verzettelt im dritten, vierten, siebten Semester, junge Menschen in Copyshops beobachtet, während sie ihre Diplomarbeiten zum Binden brachten oder sie hernach abholten - wie stolz wirkten sie auf mich!
Ich kann bei mir selbst keine Erleichterung bemerken.
Wann kommt sie? Ich warte und starre solang auf die Sonnenblumen und Dachterrassen anderer Menschen, während ich (be)fürchte, was kommt.

Montag, August 27

Altkleidersammlung.

Kerl kommt mit einem Stapel verblichener T-Shirts aus dem Wandschrank: "Die gebe ich weg.“
Ich: "Zeig mal, ob da was dabei ist, das ich liebe."

Kerl hält T-Shirt Nr. 1 hoch: „Das liebe ich!“
Kerl hält T-Shirt Nr. 2 hoch: „Das liebe ich!“
Kerl hält T-Shirt Nr. 3 hoch: „Das liebe ich!“

Kerl hält T-Shirt Nr. 8 hoch: „Und das liebe ich erst recht! Du gibst keines davon weg! Irgendwann hast du dann nur noch Leiberl, bei denen ich dich gezwungen habe, sie zu kaufen. Das verfälscht deine Persönlichkeit!“
Kerl: "Schatz, bei denen haben mich andere Mädchen gezwungen, sie zu kaufen."
Sagts und wirft alle, außer das alte Ärzte T-Shirt, in den Altkleidersammlungssack.

Wir Mädchens sollten aufhören, unseren Kerls Kleidung auszusuchen.

Sonntag, August 26

Unser Zuhause ist seit heute, 18.30 Uhr, wieder blitzblank.
Danke an alle, die sich die Finger wund geschrubbt haben!

Donnerstag, August 23

Happy Birthday, kleines Mädchen!

Der böse, warme Wind macht mir sehr zu schaffen, aber der Kerl hat die Fußreflexzonenmassage entdeckt, was alles andere wieder rausreißt. Er steht grad in der Küche und schlägt Spätzleteig für 12 Personen per Hand. Mit nacktem Oberkörper und Männerschürze um den Unterleib. Das ist alles ziemlich sexy, aber weil in einer WG Intimkontakt am Küchenboden nicht so gut ankommt, habe ich mich hier nach hinten geschlichen und mir vorgenommen, etwas Tacheles zu reden.
Das kleine Mädchen geburtstagt heute. Man möchte meinen, das Leben verschone einen an diesem Tag, tut es aber nicht. Sie trifft jedenfalls den Mann, der sie letztes Jahr an diesem Tag noch mit Küssen, Kuchen und Kerzen bedachte, während er heuer zwar mit einem tollen Geschenk anrückt (Galaxis in englisch, alle Bände im Schuber), ihr jedoch bei gemeinsamem Kaffeebesuch erörtert, dass er jetzt nach Schweden flöge. Zu einer Bumse, wie man sagt. Ich sage euch, wenn ich wüsste, dass ich heute Geburtstag hätte und einen Kerl an meiner Seite, nett, sexy & alles, aber die Möglichkeit bestünde, dass er nächstes Jahr nach, sagen wir, Neuseeland flöge, um eine Bumse zu... Also, da möchte einem das Leben doch keinen Spaß mehr machen.
Die gemeine Seele ist aber gnädig und macht uns vergessen. Wir vergessen, wie Haut schmeckt, wie Haare riechen, wie der Sex sich anfühlt. Das alles verliert sich mit der Zeit und neue Gerüche kommen und gehen. Dann kann es passieren, dass man plötzlich Geburtstag hat und es einem gar nicht so viel ausmacht, dass der Typ vom letzten Jahr, mit dem man damals noch fest gerechnet hatte, in einem Flugzeug nach Schwederland unterwegs ist.
Der böse, warme Wind und der Sauratztyp, der auch noch bei uns wohnt, verschwitzen mir mein ganzes Leiberl. An solchen Tagen wie heute trage ich mindestens 3 verschiedene Trägerleiberl. Der Typ zwang mich endgültig, hinter ihm herzuputzen, da wir heute Besuch kriegen und ich den Leuten das Klo, das uns der Typ hinterlassen hat, nicht zumuten möchte. Er putzt ohne Putzmittel, die Toilette! Man kann es kaum fassen und so eklig es ist, ich will es hier niederschreiben, weil das Leben solche Geschichten schreibt. Das Leben! Das ist dasselbe Leben, das den Extyp nach Bumsland ... ach, was sag ich.
Ich selbst habe jedenfalls endlich die Haarfarbe, von der ich schon seit Jahrzehnten träume. Damit sie auch drinbleibt, war ich heut gleich beim Drogerist meiner Wahl (da wo ich diese Karte habe und Punkte kriege, mit denen ich nichts anzufangen weiß) und hab mir Mittel um 13,56 Euro gekauft, die meine Haare zudem "entspannen", damit sie weniger "wattig" sind. So die Friseusenausbildnerin gestern, wo ich das tolle Rot bekommen habe. Ganz gratis. Ein "Enrich-Shampoo" sucht man im gewöhnlichen Drogeriemarkt vergeblich. Habe mich dann für Dove entschieden; aber auch nur wegen der Werbung mit den unperfekten Frauen. Der Werber, der sich das ausgedacht hat, ist ein Genie.
Der Kerl hat vorgeschlagen, dass wir irgendwas spenden, weil ich Kosmetika in einem Wert gekauft habe, von dem man so manchem Afrikakind ... Jaja, ich schäme mich. Aber wattiges Haar, Hilfe.

Sonntag, August 19

Warum wir endlich Wordpress lernen sollten

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass das ehrwürdige Blog alltag, eine gebrauchsanweisung auf rücksichtslose Weise von der Firma Google aus dem Verkehr gezogen wurde. Der Betreiber von alltag löschte vor einigen Tagen ahnungslos seinen Google-Account, worauf das Google-System erbarmungslos und ohne Vorwarnung mit dem Account auch gleich den blogspot.com-Blog eliminierte. Also Vorsicht, wer sich vom Google-Riesen nicht mehr überwachen lassen will, verliert auch gleich sein Blog. Etwaige Rettungsversuche blieben ohne Erfolg. Der blogspot-Supportmann behauptete sogar, dass gelöschte Blogs prinzipiell nicht wiederherzustellen seien. Aufgelegt dazu: Die Geschichte von meiner Gmail-Adresse, die meine Emails abscannt und mir inhaltlich dazupassende Werbung direkt nebendran präsentiert. In meinem Fall handelt es sich primär um Ghostwriter-Werbung, die mir regelmäßig anbietet, mir meine Diplomarbeit zu schreiben. Prima, nur weiter so, ihr Lieben. Als erstes meld ich gleich jetzt mal mein StudiVZ ab. Dort wird neuerdings an einem Studentenpornokalender gearbeitet. Gut, sie tragen Unterwäsche und nennt mich prüde, aber ich finds einfach nur billig. Vermutlich stagnieren die Mitgliederzuwächse zur Zeit, weil so gut wie jeder dabei ist und eine alte Regel: Sex sells. Ihr könnt mich allemal, ich bin heute sowieso heiß, weil dieser Spa unser Mitbewohner nicht mal Kloputzen kann. Er vergisst dabei ernsthaft, die Klobrille zu lupfen.