Und dann passiert das, wovor der Kerl manchmal richtig Angst kriegt: extremes Stimmungshoch nach extremem Stimmungstief, ohne erkennbaren Grund. Das ist ihm richtig, richtig suspekt. Das traue ich mich dann gar nicht richtig rauslassen, dass es mir besser geht und ich mich plötzlich wieder fühle wie eine Sommerwiese. Das hat irgendeinen Grund, nennen wir es PMS oder wie letzten Samstag, den größten Vollmond im Jahr.
Zuletzt übrigens im Neon gelesen: Der deprimierendste Tag im Jahr ist offenbar der letzte Montag im Jänner. Also der liegt ja offenbar noch vor uns, aber dann!
Dann liegt ein komplettes Jahr der Freude und des Glückes vor uns, wetten.
Dienstag, Jänner 13
Sonntag, Jänner 11
Samstag, Jänner 10
Grau und traurig geht es weiter ins neue Jahr.
Ich brauche ja immer jemand, der mir sagt, dass das alles ganz normal ist und ich mich nicht aufregen brauche. Darüber, was mir so passiert und wie es mir geht.
Dass es allen so geht. Dass mein Leben weder durchschnittlich traurig noch durchschnittlich schlimm verläuft. Dass die Leute nur nicht drüber reden, dass einem das keiner sagt.
Der Kerl hat also alle Hände voll zu tun, kann aber derzeit gar nicht. Wie immer schreibt er an Seminararbeiten oder lernt kroatisch, immer am Schreibtisch, immer mit einer Kanne Tee und voll konzentriert.
Ich beneide ihn darum, wie lang er das noch tun darf, bevor es richtig zur Sache geht.
Meine Studienzeit ist ja bekanntlich um. Aus oben genannten Gründen war es mir damals auch nicht möglich, die Bedeutung dieser Phase richtig einzuschätzen. Wie zu erwarten, hatte ich stets ein schlechtes Gewissen, weil ich zuwenig lernte und Angst davor, was danach kommen sollte.
Ein Irrsinn, im Nachhinein betrachtet.
Und jetzt?
Ehrlich gesagt habe ich ein bissl das Ziel aus den Augen verloren. Der Plan war ja eigentlich ganz anders. Den Job im Museum hatte ich vorallem, weil ich nebenbei Deutsch unterrichten wollte. Praxis sammeln, damit ich das Zusatzstudium starten kann, das Praxis unbedingt als Grundlage braucht. Nachdem ich dann glückselig ein halbes Jahr je 6 Stunden die Woche unterrichtet habe, wurde mein Museumsjob rationalisiert und ich arbeitslos. Nachdem Urlaub fing ich in derselben Kindertagesstätte wie meine Schwester zu arbeiten an.
Zeitlich und finanziell wäre es mir jetzt möglich gewesen, meine Zusatzausbildung als Deutschlehrerin zu beginnen, doch aus irgendeinem Grund nahm mich der Job sosehr in die Zange, dass es bis jetzt nicht dazu kam. Vielmehr habe ich im Oktober den Deutschkurs auf Eis gelegt, um mich in meiner neuen Arbeit engagiert einleben zu können. Die Gewichtigkeiten haben sich verzerrt und nun stecke ich inzwischen in einer ausgewachsenen Krise, weil die Bedingungen in meiner Arbeit derart schlecht sind, dass ich sogar wochenends betrübt auf dem Sofa sitze und weine.
Ich hatte vergessen, wie schlimm es sein kann, alteingesessenen, zermürbenden Hierarchien unterworfen zu sein, die nach Werten funktionieren, die mir während meiner Studienzeit völlig fremd geworden sind. Ich leide einfach zu sehr unter der offenbar völlig normalen Kabale eines Frauenberufstandes wie diesem. Ich steck das einfach nicht weg, nein.
Das alles ist aus dem Ruder geraten. Ich fühle mich wie ein Versager, dabei sollte dieser Job doch nur eine Stütze sein für mehr. Für Weiterbildung, für Wissen, für das Sprungbrett meiner zukünftigen Auslandsaufenthalte.
Ich muss mich besinnen, sonst segle ich auf sinkendem Schiff, während ich doch zum Flug ansetzen wollte.
Ich brauche ja immer jemand, der mir sagt, dass das alles ganz normal ist und ich mich nicht aufregen brauche. Darüber, was mir so passiert und wie es mir geht.
Dass es allen so geht. Dass mein Leben weder durchschnittlich traurig noch durchschnittlich schlimm verläuft. Dass die Leute nur nicht drüber reden, dass einem das keiner sagt.
Der Kerl hat also alle Hände voll zu tun, kann aber derzeit gar nicht. Wie immer schreibt er an Seminararbeiten oder lernt kroatisch, immer am Schreibtisch, immer mit einer Kanne Tee und voll konzentriert.
Ich beneide ihn darum, wie lang er das noch tun darf, bevor es richtig zur Sache geht.
Meine Studienzeit ist ja bekanntlich um. Aus oben genannten Gründen war es mir damals auch nicht möglich, die Bedeutung dieser Phase richtig einzuschätzen. Wie zu erwarten, hatte ich stets ein schlechtes Gewissen, weil ich zuwenig lernte und Angst davor, was danach kommen sollte.
Ein Irrsinn, im Nachhinein betrachtet.
Und jetzt?
Ehrlich gesagt habe ich ein bissl das Ziel aus den Augen verloren. Der Plan war ja eigentlich ganz anders. Den Job im Museum hatte ich vorallem, weil ich nebenbei Deutsch unterrichten wollte. Praxis sammeln, damit ich das Zusatzstudium starten kann, das Praxis unbedingt als Grundlage braucht. Nachdem ich dann glückselig ein halbes Jahr je 6 Stunden die Woche unterrichtet habe, wurde mein Museumsjob rationalisiert und ich arbeitslos. Nachdem Urlaub fing ich in derselben Kindertagesstätte wie meine Schwester zu arbeiten an.
Zeitlich und finanziell wäre es mir jetzt möglich gewesen, meine Zusatzausbildung als Deutschlehrerin zu beginnen, doch aus irgendeinem Grund nahm mich der Job sosehr in die Zange, dass es bis jetzt nicht dazu kam. Vielmehr habe ich im Oktober den Deutschkurs auf Eis gelegt, um mich in meiner neuen Arbeit engagiert einleben zu können. Die Gewichtigkeiten haben sich verzerrt und nun stecke ich inzwischen in einer ausgewachsenen Krise, weil die Bedingungen in meiner Arbeit derart schlecht sind, dass ich sogar wochenends betrübt auf dem Sofa sitze und weine.
Ich hatte vergessen, wie schlimm es sein kann, alteingesessenen, zermürbenden Hierarchien unterworfen zu sein, die nach Werten funktionieren, die mir während meiner Studienzeit völlig fremd geworden sind. Ich leide einfach zu sehr unter der offenbar völlig normalen Kabale eines Frauenberufstandes wie diesem. Ich steck das einfach nicht weg, nein.
Das alles ist aus dem Ruder geraten. Ich fühle mich wie ein Versager, dabei sollte dieser Job doch nur eine Stütze sein für mehr. Für Weiterbildung, für Wissen, für das Sprungbrett meiner zukünftigen Auslandsaufenthalte.
Ich muss mich besinnen, sonst segle ich auf sinkendem Schiff, während ich doch zum Flug ansetzen wollte.
Mittwoch, Dezember 31
Das Neffenkind hat sich gefreut, zum ersten Mal seit 6 Jahren. Die Lösung war ein Elektronikbaukasten, der Blinker und Batterietester bauen kann.
Durch die neue angeheiratete Familie meiner Mutter war Weihnachten diesmal bayerisch und doppelt so groß wie sonst. Schweinsbraten und rote Grütze, dazu Panna Cotta und jede Menge Schnaps. Da lacht das Herz, zumindest bis zum nächsten Morgen, wenn die Schwiegereltern Punkt 8 vor der Tür stehen und einen abholen kommen. Nie war ein Kater peinlicher, ich konnte mich am Frühstückstisch kaum gerade halten, danach dreieinhalb Stunden Autofahrt Richtung Bodensee. Gottseidank waren bei diesem Frühstück so viele Leute anwesend, dass ich kaum auffiel. Meine Mutter liebt familiäre Personenanhäufungen, das ist spätestens seit ihrer Hochzeit klar. Dazu lädt sie, ganz christlicher Grundgedanke, stets Freunde, die niemand sonst haben. Der Küchentisch meines neuen Stiefvaters ist aber dazu geeignet, nicht wie die kleine Piepsi-Wohnung meiner Mutter. Da sitzen locker 20 Leute drumrum und man muss aufstehen und sich komplett ausstrecken, um ein Stück Käse aus der Mitte des Tisches zu erwischen.
Durch die neue angeheiratete Familie meiner Mutter war Weihnachten diesmal bayerisch und doppelt so groß wie sonst. Schweinsbraten und rote Grütze, dazu Panna Cotta und jede Menge Schnaps. Da lacht das Herz, zumindest bis zum nächsten Morgen, wenn die Schwiegereltern Punkt 8 vor der Tür stehen und einen abholen kommen. Nie war ein Kater peinlicher, ich konnte mich am Frühstückstisch kaum gerade halten, danach dreieinhalb Stunden Autofahrt Richtung Bodensee. Gottseidank waren bei diesem Frühstück so viele Leute anwesend, dass ich kaum auffiel. Meine Mutter liebt familiäre Personenanhäufungen, das ist spätestens seit ihrer Hochzeit klar. Dazu lädt sie, ganz christlicher Grundgedanke, stets Freunde, die niemand sonst haben. Der Küchentisch meines neuen Stiefvaters ist aber dazu geeignet, nicht wie die kleine Piepsi-Wohnung meiner Mutter. Da sitzen locker 20 Leute drumrum und man muss aufstehen und sich komplett ausstrecken, um ein Stück Käse aus der Mitte des Tisches zu erwischen.
Sonntag, Dezember 21
Warum der Dezember immer eine Katastrophe sein muss?
Man weiß es nicht, aber ich habe nicht alle Geschenke beisammen und bei denen, die ich habe, ist ihre Sinnhaftigkeit fragwürdig und am Ende bin ich vielleicht wieder enttäuscht, weil das Neffenkind sich nicht freuen kann. Aber das liegt nicht an meinem Geschenk, das liegt daran, dass das Neffenkind alles hat, nichts mehr braucht, bzw. sich Dinge erwartet von denen ich erstens keine Ahnung habe und die zweitens über meinem finanziellen Rahmen liegen (heute wünscht er sich eine Playstation - wenn er seit ca. seinem 1. Lebensjahr nicht längst eine besäße - und mit 12 eine Raumstation). Und der Kerl hat auch alles, nur in einem anderen Sinn. Der mag nichts mehr, der braucht nichts, weil er von der anderen Richtung her antimaterialistisch eingestellt ist.
Meine Arbeit ist auch eine Katastrophe, aber das ist eine andere Geschichte.
Und darum ist der Dezember gaksi.
Man weiß es nicht, aber ich habe nicht alle Geschenke beisammen und bei denen, die ich habe, ist ihre Sinnhaftigkeit fragwürdig und am Ende bin ich vielleicht wieder enttäuscht, weil das Neffenkind sich nicht freuen kann. Aber das liegt nicht an meinem Geschenk, das liegt daran, dass das Neffenkind alles hat, nichts mehr braucht, bzw. sich Dinge erwartet von denen ich erstens keine Ahnung habe und die zweitens über meinem finanziellen Rahmen liegen (heute wünscht er sich eine Playstation - wenn er seit ca. seinem 1. Lebensjahr nicht längst eine besäße - und mit 12 eine Raumstation). Und der Kerl hat auch alles, nur in einem anderen Sinn. Der mag nichts mehr, der braucht nichts, weil er von der anderen Richtung her antimaterialistisch eingestellt ist.
Meine Arbeit ist auch eine Katastrophe, aber das ist eine andere Geschichte.
Und darum ist der Dezember gaksi.
Donnerstag, Dezember 4
Dienstag, Dezember 2
Das kleine Mädchen kommt nur noch viertelstundenweise nach Hause, seis um schnell den Kleinenputzpartner zu spielen, einen Milchkaffee zu trinken, aber meist nur, um etwas abzuholen. So scheint es jedenfalls.
Der Abrechnungsbetrag steht seit zwei Wochen offen, egal. Das Irrenhaus steht brach; muss man sich Sorgen machen oder ist es eine gesunde Entwicklung, von der es tatsächlich kein Zurück gibt?
Wir sind ja abgebrüht, nachdem wir damals nicht davor zurückgeschreckt sind, das zweite, scheinbar unzertrennliche m, von uns zu scheiden. Nach 5 Jahren Studentenheim- und dreieinhalb Jahren WG-Erfahrung sind wir ehrlich abgehärtet und denken, dass die Dinge ihren Lauf gehen, ob man sich wehrt oder nicht.
Loslassen, das haben wir gelernt, weil wer gehen muss, muss gehen.
Wir sind sogar so abgebrüht, daran zu denken, dass die nächste Gasrechnung um 22m² billiger ausfallen wird, so.
Ist das gemein oder einfach nur realistisch?
Der Abrechnungsbetrag steht seit zwei Wochen offen, egal. Das Irrenhaus steht brach; muss man sich Sorgen machen oder ist es eine gesunde Entwicklung, von der es tatsächlich kein Zurück gibt?
Wir sind ja abgebrüht, nachdem wir damals nicht davor zurückgeschreckt sind, das zweite, scheinbar unzertrennliche m, von uns zu scheiden. Nach 5 Jahren Studentenheim- und dreieinhalb Jahren WG-Erfahrung sind wir ehrlich abgehärtet und denken, dass die Dinge ihren Lauf gehen, ob man sich wehrt oder nicht.
Loslassen, das haben wir gelernt, weil wer gehen muss, muss gehen.
Wir sind sogar so abgebrüht, daran zu denken, dass die nächste Gasrechnung um 22m² billiger ausfallen wird, so.
Ist das gemein oder einfach nur realistisch?
Abonnieren
Posts (Atom)