Die Gästeliste der Hochzeit meiner Mutter ist inzwischen auf 163 gestiegen, ich passend dazu gestern in der Vidoethek das letzte Stück SATC ergattert, in dem es genau darum geht, dass man eben heiratet um einen selbst Willen und hab Acht, wenn sich die Vorbereitungen verselbständigen. Aber sie wollen es offenbar so, beide. Sollen sie haben. Falls es bei mir soweit ist, sage ich euch womöglich erst hinterher Bescheid und die Gästeliste beherbergt tatsächlich wahrlich nur Menschen, die ich aus ganzem Herzen dabeihaben möchte und niemand sonst. Amen.
Ansonsten übe ich derzeit Sesselkreise mit den Zwergen, in denen ich ihnen in erbärmlichen Versuchen, nach 10 Jahren zum ersten Mal Gitarre zu spielen, beibringe, dass es schön ist, dass wir alle geboren sind. Funktioniert ganz gut, verlernt man nicht, ist wie Schwimmen. Dass sie alle nur deswegen mitsingen, weil ich ihnen androhe, sie vom Turnsaaljägerballochsambergspiel auszuschließen, gehört zum normalen Erzieherton und ich sage es ehrlich: Das war mir nicht klar, mir Naivling.
Sonntag, Oktober 26
Dienstag, Oktober 21
Dienstag, Oktober 14
"Haider war ein skrupelloser, aggressiver Populist, der die österreichische Seele zielsicher erfasste, den moralischen Zwiespalt der Kriegsgeneration, das wehleidige Sichverschanzen in der Opferrolle, den tief verwurzelten Antisemitismus, die Furcht vor dem Fremden, die Ressentiments der Provinz gegen das ferne, mächtige Wien.
Ende der Neunzigerjahre und wiederum im Wahlkampf dieses Sommers kanalisierte er erfolgreich den Unmut über Erstarrung und Unfähigkeit der jeweiligen großen Koalitionen. Er beherrschte die Kunst, voll auf sein Gegenüber einzugehen, egal, ob dies ein Politiker oder eine Marktfrau war. Haider wurde zur Identifikationsfigur der kleinen Leute, der Zukurzgekommenen. Sie dankten es ihm, indem sie ihn zu Lebzeiten wie einen Erlöser huldigten. Nach seinem Tod verehren sie ihn nun wie einen Märtyrer..."
(aus der NZZ, zitiert nach dem heutigen Standard, S. 34.)
Ende der Neunzigerjahre und wiederum im Wahlkampf dieses Sommers kanalisierte er erfolgreich den Unmut über Erstarrung und Unfähigkeit der jeweiligen großen Koalitionen. Er beherrschte die Kunst, voll auf sein Gegenüber einzugehen, egal, ob dies ein Politiker oder eine Marktfrau war. Haider wurde zur Identifikationsfigur der kleinen Leute, der Zukurzgekommenen. Sie dankten es ihm, indem sie ihn zu Lebzeiten wie einen Erlöser huldigten. Nach seinem Tod verehren sie ihn nun wie einen Märtyrer..."
(aus der NZZ, zitiert nach dem heutigen Standard, S. 34.)
Sonntag, Oktober 12
Heute WG-Sitzung, sowas ist ja immer ein Spaß. 5 Leute sitzen unten im roten Pub und reden aufeinander ein, während sich nebendran bereits Leute in Kinopose begegeben, um dem Spektakel besser folgen zu können. Alle versuchen ihre selbsteigenen Bedürfnisse durchzudrücken, außer eine. Die sitzt immer stillschweigend da und wenn man Pech hat, hat sie als Unterstützung ihre beste Freundin eingeladen, wie einen Schutzwall. Naja, vielleicht bringt sie heute P mit und der bellt dann unterm Tisch hervor. Wobei V meinte, es wäre besser, wenn K zu P zöge, weil sie ohnehin so gut wie bei ihm wohne. Ausgerechnet V, von deren Zimmer unlängst jemand glaubte, sie wäre erst diesen Monat eingezogen, so unbewohnt sähe es aus. Dabei wohnt V offiziell ein komplettes Jahr bei uns. Und nein, P ist kein Hund.
Samstag, Oktober 11
Ich bin derzeit so zerstört, dass ich mir nicht mal ein lecker Essen für Samstagabend überlegen kann. Ich vegetiere im Bett nebst Tilschweigerliebesknatsch und Halswehtabletten, lasse meinen Tee kalt werden, bin genervt von Mitbewohnern, blicke den unvorhersehbaren politischen Ereignissen skeptisch, fast ängstlich entgegen und versuche, Montag bis Freitag eine Herde ärmster Ghettokinder zu bändigen, die es im letzten Jahr gewohnt war, in anarchischen Zuständen die Nachmittagsbetreuung in regelmäßige Krankenstände zu treiben.
Ich bin müde und überlege, ob Weihnachts- und Urlaubsgeld wirklich lebensnotwendig und verstehe langsam, wieso Männer in Sozialberufen eine Rarität sind.
Ich bin müde und überlege, ob Weihnachts- und Urlaubsgeld wirklich lebensnotwendig und verstehe langsam, wieso Männer in Sozialberufen eine Rarität sind.
Mittwoch, Oktober 8
Donnerstag, September 25
Kerl und ich heute bei einem der tausend Schuhkönige auf einer bekannten, hochfrequentierten Einkaufsstraße Wiens. Im siebten Schuhgeschäft, Kerl noch tapfer. Ich treffe auf meine Traumschuhe. Preis 100 Euro. Kerl lacht mich aus, weil es sich bei diesen Schuhen um Schuhe handelt, die sehr junge Menschen dieses Landes ausgesprochen gerne tragen. Ich finde sie toll. Braunes Leder, innen karierte Baumwolle, links und rechts zwei kleine genietete Löcher (wozu dieses designtechnische, regeninkompatible Detail nötig ist, weiß der Himmel), Kerl sitzt auf einem kleinen roten Lederquadrat mit Lehne und wartet geduldig, bis ich mit diesen Schuhen (das Binden von den Teilen muss ich erst lernen) im kompletten Geschäft dreimal auf und ab renne. Die Verkäuferin kommt und gibt mir zu verstehen, dass weiter hinten jemand genau dieses letzte Schuhpaar in genau meiner Größe probieren möchte, aber wer zuerst kommt,...
100 Euro. Kerl sieht das Glitzern in meinen Augen, ich sehe Kerls Skepsis. Er findet 120-Euro Bergschuhe, die 10 Jahre halten werden, sinnvoller. Denk an die Kinder und an die nassen Wiesen, wo du bald arbeiten wirst! In die Nieten regnet es rein! - Aber ich kann dicke, selbstgestrickte Socken anziehen! Superwarm wird das. Schau mal das Karomuster! Und echtes Leder!
Kerl und ich sitzen auf den roten Quadraten, nebeneinander, ich in den Schuhe, halte die Beine hoch und versuche den Kerl durch Liebesbekundungen zu ihm und den Schuhen dazu zu bewegen, diesen Irrsinnskauf zu goutieren.
Wir sitzen und spüren, das kann nicht gut enden. Entweder ich kaufe die Schuhe und habe ein schlechtes Gewissen, weil Kerl sie zwar gut, aber maßlos teuer findet. Oder aber ich lasse sie mir ausreden und bin zwei Wochen (den kompletten Winter) jedesmal angefressen, wenn ich meine anderen neuen Schuhe (die erst zu finden sein werden), die ich niemals genauso lieben könnte wie jene, ansehe und denke: Mein Gott, wie cool wäre das gewesen!
Ich ziehe die Teile aus, packe sie enttäuscht zurück in den Riesenkarton und habe fast abgeschlossen mit der Idee, diesen Winter wirklich coole Schuhe rumzutragen, da kommt der Engel von Verkäuferin aus dem roten Schuhgeschäft weit unten auf jener Straße, zeigt auf das braunlederne Traumpaar an meinen Füßen und sagt: "Diese Schuhe sind übrigens reduziert auf 49.95. Nur, dass Sies wissen."
100 Euro. Kerl sieht das Glitzern in meinen Augen, ich sehe Kerls Skepsis. Er findet 120-Euro Bergschuhe, die 10 Jahre halten werden, sinnvoller. Denk an die Kinder und an die nassen Wiesen, wo du bald arbeiten wirst! In die Nieten regnet es rein! - Aber ich kann dicke, selbstgestrickte Socken anziehen! Superwarm wird das. Schau mal das Karomuster! Und echtes Leder!
Kerl und ich sitzen auf den roten Quadraten, nebeneinander, ich in den Schuhe, halte die Beine hoch und versuche den Kerl durch Liebesbekundungen zu ihm und den Schuhen dazu zu bewegen, diesen Irrsinnskauf zu goutieren.
Wir sitzen und spüren, das kann nicht gut enden. Entweder ich kaufe die Schuhe und habe ein schlechtes Gewissen, weil Kerl sie zwar gut, aber maßlos teuer findet. Oder aber ich lasse sie mir ausreden und bin zwei Wochen (den kompletten Winter) jedesmal angefressen, wenn ich meine anderen neuen Schuhe (die erst zu finden sein werden), die ich niemals genauso lieben könnte wie jene, ansehe und denke: Mein Gott, wie cool wäre das gewesen!
Ich ziehe die Teile aus, packe sie enttäuscht zurück in den Riesenkarton und habe fast abgeschlossen mit der Idee, diesen Winter wirklich coole Schuhe rumzutragen, da kommt der Engel von Verkäuferin aus dem roten Schuhgeschäft weit unten auf jener Straße, zeigt auf das braunlederne Traumpaar an meinen Füßen und sagt: "Diese Schuhe sind übrigens reduziert auf 49.95. Nur, dass Sies wissen."
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