Donnerstag, Jänner 31

Familienflash

Meine kleine Schwester, die sich in der Enge unserer kleinen Heimat beklemmt fühlt, aber doch nicht den Mut aufbringt, sie zu verlassen, hat mich besucht, um ein klein wenig Großstadtluft zu schnappen. Mit dem Ergebnis: So schnell wie möglich wieder abgehauen. Aus irgendeinem Grund muss sie sich hier extrem unwohl gefühlt haben und ich bin noch nicht ganz draufgekommen, warum. Sie ist sogar eine Stunde zu früh zum Zug gelaufen, weil sie sich in der Zeit vertan hat.
Meine Hoffnung, dass sie zu mir hierher ziehen könnte, ist also auf ein Minimum reduziert, aber wie jedesmal, wenn ich enger in Kontakt mit einem Familienmitglied gerate (viel stärker als wenn ich nur Telefonkontakt pflege), zieht wie ein schiacher Filmstreifen meine verkrachte Kindheit an mir vorbei. Ich ermahne mich dann immerzu: Du bist hier, du bist erwachsen, du bist weggekommen. Gut weggekommen sogar. Alles ist gutgegangen und die Dinge, die du erlebt hast, sind dir im Nachhinein zum Vorteil gereicht. Das wirkt normalerweise auch wunderprächtig. Ich schätze mich glücklich, freue mich meines hiesigen Lebens, bewundere mich ob der Tatsache, dass ich dem Kindheitsteufel so kunstvoll von der Schippe gesprungen bin.
Weil aus mir eh was nettes, liebes geworden ist. Ehrlich.
Aber heute kam nach langer Zeit wieder ein Austicker. Meine Mutter am Telefon angeschrieen, sie schreit zurück, sie hätte besseres zu tun, als 'meinen Scheiß', legt auf.
Ich stell mir dann ja immer vor, dass sie nach dem Auflegen ihr Leben komplett entspannt weiterlebt. Bügle sie gerade und sähe Tatort, würde sie das weitertun, als wäre nichts gewesen. Säße sie im Wohnzimmer und tränke sie mit ihren Freundinnen Kaffee, würde sie das weitertun, als wäre nichts gewesen. Schlafe sie und träumte sie schöne Dinge, würde sie das ohne mit der Wimper zu zucken, fortsetzen, während ich zerstört am Schreibtisch hocke und wie paralysiert Internetseiten anklicke, um mich abzulenken. Dazwischen in die Küche gegangen und im Vorbeigehen von j² gelobt worden, dass ich meiner Mutter derart Saures gegeben habe.
Das erinnert mich an den Anlass, warum ich meine Mutter anrufen musste, um ins Telefon zu schreien. Ich war nämlich heute Vormittag beim Zahnarzt gewesen, dessen ausgesprochen zuvorkommende Assistentin mir mitteilte, dass ich keinen Versicherungsanspruch hätte und sich meine e-Card in einem nicht abrechnungsbereiten Zustand befinde. Und das seit 2 Monaten.
Ratet mal, wer dafür verantwortlich ist.

Montag, Jänner 28

Aus dem Leben einer Jobsuchenden: Inserat Hasenstreichler/in. Wenn ich mich da bewerbe, verdiene ich mehr als als Kellnerin.

Sonntag, Jänner 27

Dienst 17.00 bis 01.00 Uhr

Am Tag nach einem vielstündigen Einsatz bei meiner Kellnerinnenarbeit, volle schwere Menüteller mit unnötigem Krimskrams darauf schleppend, die garniert mit ekligfarbenen Schäumen und Moussen am Ende doch keinem schmecken, lege ich mich gerne mal nachmittags eine Stunde ins Bett.

Ein solches Liegen ist meist nur dazu da, dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich zu erholen, während mein Geist hellwach nebendran liegt und nachdenkt. Aber nur ganz leise, Lesen z.B. mag er nicht länger als eine halbe Stunde, dann gibt er auf und der Körper dreht sich synchron auf die Seite, Decke über die Ohren.
Nützt aber nichts. Ich vergesse da nämlich kurzfristig immer, dass ich in einer 5er-WG lebe. Es sind ja nicht meine Kinder, die ich anmaulen und ins Zimmer schicken kann, (wie das meine Mutter früher in solchen Situationen gemacht hat. Heute verstehe ich zumindest, warum das nötig war. Sie wollte, sie musste entspannen. Wenigstens 10 Minuten.) Meine Mitbewohner aber wollen sich unterhalten, und am liebsten tun sie das im Vorhaus. Da treffen sie sich, direkt am Ende des Ganges von meinem Zimmer und erzählen sich dies und das, lachen, rumpeln, kramen herum, oder wenn sie den Geschirrspüler ausräumen, dann gern nachts um 1 oder morgens um 8. Immer wenn ich eben schlafe.
Mein und Kerls Zimmer (nein, der hat damit keine Probleme. Er schläft wie ein Stein und sieht dabei süß aus wie ein Baby) liegt einfach schlecht. j²s Zimmer liegt auch am Gang, aber der hat ein Hochbett, wo kein Schall raufkommt. Der Schall müsste die Kurve nehmen, das tut Schall nicht.

Wir jedoch liegen hinter einer Türe, die zum Gang hin einen 3 cm großen Spalt zw. Tür und Boden aufweist. Altbautraum. Ich stopf auch schon mal Zeugs davor, aber Pustekuchen. Ich hör alles, was ihr redet, meine Lieben! Wort für Wort, Lacher für Lacher, Teller für Teller. Und ich weiß auch, wieoft und wielang ihr auf Toilette müsst.

Man darf sich aber nicht beklagen, wir haben dafür null Straßenlärm, weil das Fenster auf einen hübschen Wiener Hinterhof hinausgeht. Da hört man höchstens im Sommer ab 6 Uhr früh Wassertropfen, die aus den gerade frisch gegossenen Topfpflanzen vom Balkon gegenüber hinuntertropfen und auf dem Asphalt aufschlagen. Ahhhh.

Freitag, Jänner 25

Der Bokuball war für mich heuer der totale Reinfall. Erst die frohe Botschaft, dass ich als Neo-Echtmensch und Ex-Student satte 50 Euro Eintritt zu bezahlen hätte (erklärte sich dann ganz schlüssig aus einer Nachricht in der Wirtschaftszeitung, die der Kerl als Selbständiger regelmäßig mit der Post zugeschickt bekommt: Miete Hofburg 100.000 Euro.). Damit war für Kerl und mich der Ball eigentlich gelaufen, von soviel Geld leben wir nämlich sonst eine ganz gute Weile. Am Dienstag dann organisiert der Kerl in einer Abendvorlesung eine Freikarte für mich, die keinen gültigen Studentenausweis erforderte. Wir kaufen also diese Karte (22,-) einer netten, sehr jungen Dame ab, ich besorge zusätzlich: neue rote Haarfarbe (7,49), einen neuen rosa Lippenstift (8,49), eine mikrofaserne Strumpfhose (2,99), Haarklemmen (1,49), Make-up (6,99). Ich will hier keine Erbsenzählerin markieren, ich will nur klarstellen: Wer soviel ausgibt (Taxigeld und Getränke gar nicht eingerechnet), der will eine Spaßgarantie.

Aber nix da. Das Leben gibt keine Garantien.

Ich war in den letzten Monaten selten wo so müde und gelangweilt. Das einzig Spannende war die im Laufe der Nacht zweimalige Begleitung einer äußerst reizenden Freundin, die sich einen geheimen Ort in der Hofburg gesucht hatte, um in Ruhe gewisse Ingredienzien inhalieren zu können (zu ihrer Vereidung muss gesagt werden, die Gute verträgt keinen Alkohol und ist grundsätzlich Nichtraucherin, die Inhalation ist also ihr einziger Spaßmachfaktor). Ich respektiere alle Spaßmachfaktoren, obwohl ich selbst kein Fan von Gras bin. Ich selbst werd davon müde und falle sofort rücklings aufs Sofa (nicht dass ich es jemals probiert hätte).
Es gibt eigentlich keine rechte Erklärung dafür, dass sich ein Amüsement meinerseits dieses Mal überhaupt nicht einstellen wollte. Im Tüwi-Saal (eigentlich ein Kämmerlein im Vergleich zu den wirklichen Sälen im Hofburgkomplex) lief erst eine ganz gute Band (ein Bandmitglied war Querflötistin), danach Karaoke (bei dem das Zuschauen wirklich Spaß machen hätte können). Die Räumlichkeiten der Hofburg übten aufgrund meiner Arbeitseinsätze darin keinen nennenswerten Reiz mehr auf mich aus, während ich ringsrum viele Ohs und Ahs diesbezüglich vernehmen durfte.

Es scheinen sich alle amüsiert zu haben, bis auf mich. Meine Schuhe waren eine Zumutung (nicht nur mein Kleid – das mit Doppelklebeband oberhalb des Busen festgeklebt werden musste, damit es nicht runterrutschte – war mir in den letzten beiden Jahren zu groß geworden, auch meine Schuhe waren wie durch Hexenzauber eine Nummer zu groß für mich), der Kerl hatte mir vorne in die Spitzen Watte reingesteckt, damit ich hinten bei den Schlaufen nicht nach jedem 4. Schritt rausgleiten konnte. Die Garderobe verrechnete meiner Freundin 2,20 pro Kleidungsstück (nicht nur Mäntel, sondern auch ihr Pullover wurde verrechnet, wonach sie eine Rechnung von 6,60 nur für die Aufbewahrung von Kleidungstücken begleichen musste). Der so genannte DJ im Keller war diesmal wirklich grausam, direkt den Anfang 90er-Jahren entsprungen. Blöd zu bescheuertlustigen Neuedeutschewelle-Liedern herumhüpfen fiel also auch flach, denn der Typ schien nur u2 und Shakira zu kennen.

Das Schönste am ganzen Abend: Die Käsespätzle, die Kerl mir als Abendessen zubereitet hatte, als grundsolide Basis für einen ordentlichen Rausch, der sich trotz reingeschmuggeltem Flachmann bis obenhin voll Honigschnaps nicht einzustellen vermochte. Die Taxifahrt (Taxifahrten versprechen ein schnelles, schmerzfreies Heimkommen). Die Käsespätzlereste nachts um 4. Kein Kater.

Mittwoch, Jänner 23

3 Bücher, die dein Leben verändert haben

von denen du dir wünscht, jeder hätte sie gelesen:

1)
2)
3)

Vorgestern gefragt worden. Nicht zu glauben, dass ich darauf nichts zu antworten gewusst habe. Heute extra das Bücherregal durchsucht. Nichts. Oder zählt Gretchen, mein Mädchen von Christine Nöstlinger? Wohl kaum.
(Memo für 2008: Finde diese drei Bücher.)

Dienstag, Jänner 22

Inventur

Ich habe heute 242536 Kunstpostkarten gezählt.
Deshalb gibt's heute nix, nur Bett & aus.
Wenn man genauso easy 1-2-3 jedes Jahr seine Lebensinventur machen würde, schleppte man nicht ewig altes, unnützes Zeug mitrum, das im Hinterkopf spukt, ohne jemals genau abgezählt und auf einer ordentlichen Liste eingetragen worden zu sein.
Da fällt mir ein, dass hier immer noch die Liste fehlt, die aufzählt, was ich 2007 richtig gut gemacht habe. In der Top 10 auf jeden Fall mal: mit dem Rauchen aufgehört. Darüber freu ich mich nämlich jeden einzelnen Tag bisher.

Sonntag, Jänner 20