"Der kleine Eisbär Knut kränkelt und es mussten daher alle seine Termine abgesagt werden", sagte gestern die ORF-Tante in den Abendnachrichten, oder was immer dieses Format darstellen will. (Und übrigens: Seht ihr den hässlichen weißen Balken? Das ist das neue ORF-Design. Seht genau hin & betrachtet auch die tollen roten Schummelzettel.) Danach wurde ein junger Ossi-Papa interviewt, der sich enttäuscht gab, mit Kind & Kegel 200 km weit angereist zu sein, um Knuti zu sehen, der solang verschnupft in der Eisbärenkinderkrankenstube lag und ein Meeting mit den Ossi-Kindern nicht wahrnehmen konnte.
Ich genieße jedoch ab heute ein Jahr lang freien Eintritt in Schönbrunn & ich sage euch: Unser Eisbär ist viel schöner. Und er nervt auch nicht mit Medienterror.

So faul wie diese beiden fühle ich mich auch langsam. Eine Woche Entspannung & Verwöhntwerden im Schwobaländle, mit Eis zum Nachtisch, zwar kein Apfelstrudeleis, wie ich es mir zum Geburtstag wünsche (weil ich ja auf jede Bobo-Werbung reinfalle), sondern Schwarzwälderkirschtorteneis, was nicht minder dekadent ist. Jetzt ein bisschen in der sonnendurchfluteten Wohnung rumräumen, Winterklamotten aussortieren, Zimmer umstellen, kehren, spülen, kochen. Nachmittags mit Parzival im Zoo rumsitzen. Morgen ein paar Stunden Tabletteschleppen und es auch noch gut finden. Geht das ewig so weiter? Geht so Leben? Muss man sich unbedingt für unsere Wirtschaftsgesellschaft den Arsch aufreißen, um fünfstellige Beträge im Jahr zu verdienen - und wofür das Ganze? Wir sind arm, aber glücklich. Wie klingt das? Was passierte, wenn man sich bewusst dem Quatsch abwende? Wenn man einen konventionellen Beruf hätte? Einen bodenständigen? Wenn man gar kein Werbetexter werden möchte, keine PR-Frau, nicht für OMV-werbend, nicht für ÖVP oder BA-CA, keine Lektoratsfrau, kein ORF-Mitarbeiter, kein Reporter, kein Musikjournalist? Nicht berühmt, nicht erfolgreich, nicht schwerverdienend. Was passierte, wenn man das, was man täte, gern machte? Wenn man es bewusst machte? Wenn man seine Zeit damit verbrächte, um etwas Sinnvolles, Schönes zu tun? Etwas Gutes? Ihr regt mich alle so auf, Mannmannmann. Ich wär lieber Verkäuferin im Buddahladen auf der Neubaugasse, als dass ich mir eine Werbebroschüre für die Telekom ausdächte. Ich muss verrückt sein. Verrückt, verzaubert, glücklich.
Wir erfinden tolle Namen für gewöhnliche Dinge & sprechen fremde Sprachen, um unser banales kleines Leben wie Dekoschlampen zu pimpen.
GO AWAY, I'M SAD!*
*Richard in Ally McBeal (auf einer Tafel, die um seinen Hals hing).
Da Erzengel Michael alles in unser aller Leben über den Haufen geworfen hat und der Strahlemann kürzlich die seine endgültig für den Sperrmüll freigegeben hat, kam mir letzte Woche die Idee, mir selbst eine Kamera zu kaufen. 1. Weil ich bald Geburtstag habe und 2. weil ich mir vom Geburtstags- und Weihnachtsgeld nie was anderes leiste außer Verhütungsmittel, Miete & Abendbrot. Das hat jetzt ein Ende! Meine Selbstachtung kehrt jetzt zurück und die Kasteiung nimmt ein Ende. Man kann die alten Bilder ja nicht mehr verwenden: klms und ma's Fotos kennen wir doch schon alle. Diese Zeiten sind vorbei! Ich will neu knipsen! Ich will dokumentieren! Man muss uns sehen können, in 30 Jahren - in einem verstaubten (virtuellen?) Fotoalbum sollen unsere Spatzenkinder stöbern können & sich totlachen über unsere Haare, unsere Kleidung, unsere Möbel. Ich will festhalten! Eine völlig neue Phase! Und dieser affige Frühling treibt einem so und so komische Gedanken ins Hirn. Man wird ganz komisch davon...
Ich muss aber dazu sagen, dass ich letzte Woche am Dachboden bei mc's Eltern war, um mc zu suchen, der sich auf die Bühne zum Zocken verkrochen hatte, und im Vorraum dieses Dachbodens an einem Regal voller Fotoalben aus den 60er-, 70er-, 80er- & 90erJahren vorbei gekommen bin, oder viel mehr nicht vorbeigekommen bin. Ein Glück für mc, denn dadurch war ich abgelenkt und er konnte in Ruhe Saurons Ring klauen.
"Die Liebe ist der einfachste und ökonomischste Prozeß zur Gewinnung von Erkenntnissen."
bist du mal betrübt
verzag' nicht
denn immer wirds so sein wie heut'
auf Liebesleid folgt Liebesfreud.