Montag, Jänner 11

Heute Nacht träumte ich ganz intensiv von einem lustigen, bunten Markt in der kleinen Ortschaft in Niederösterreich, in dem meine Großmutter lebt. Es war wie ein türkischer Basar und ich wette, im echten Leben hat weder dieses Dorf (noch die Mehrzahl seiner 200 Bewohner) so einen Markt jemals gesehen. Aber Träume sind Träume und in diesem Traum schlenderte ich mit meiner Kindheitsliebe durch den Markt und war glücklich. Mehr braucht der Mensch ja nicht, um gut zu träumen. Meine Oma war auch dort, irgendwo in einem Haus, sie lag mit ihrem Mann hinter einer Glasscheibe im Bett und war ebenfalls glücklich.
Der Zugang zu dem bunten Treiben war ihr allerdings verwährt, die Glasscheibe ließ nicht einmal die Geräuschkulisse durch. Meine Oma schien das nicht zu stören. Sie hatte die Augen geschlossen und schmiegte sich an die Wangen ihres Mannes.
So ist es nämlich, das Leben. Die Leute sind in sich drin. Und das ist gut so.

Freitag, Jänner 8

Kleine Kinder wollen nicht an den Schultern gepackt und auf den Sessel gedrückt werden. Wenn ich das noch öfter sehe, platzt mir der Kragen. Echt jetzt.

Mittwoch, Jänner 6

Wenn ich alles Gesagte und Erlebte der letzten zwei Wochen restlos verarbeiten möchte, müsste ich 14 Tage am Stück schlafen.

Am Samstag kommt sie wieder, die Horde, die einfällt, um ein Zimmer zu sehen. Und wir, ums Sofa aufgefädelt, zum 214. Mal wiederholend, wer wir sind und was wir auf keinen Fall wollen. Und dennoch: Ein Glücksspiel.
Wenn ich abends von der Arbeit heimkomme, schmiegt der Mann manchmal seine Wangen an meine und sagt: Du riechst nach Babys.

Montag, Jänner 4

Ich gehe jetzt zur Erdung auf den Naschmarkt und kaufe Lachsfilets, Hühnerfilets, Gurken, einen Mörser, Chillis (rot, grün), Naan-Brote, Koriander und andere Topfkräuter, Currypasten, Erdnussöl, Kokusmilch, Zitronen. Ich brauche das. Dazwischen gehe ich zur Post und hole meinen FM4-Stehkalender ab. Hallo, 2010.
Kochen hält am Boden. Morgen Arbeit. Arbeit hält am Boden.
Übrigens kann mein Handy jetzt jedes Netz gleichteuer anrufen, jedes. Und 2010 rufe ich euch alle an, alle.

Samstag, Jänner 2

Und dann bedanke ich mich noch bei meiner großartigen Familie und bei einigen meiner engsten Freunde für dieses unvergessliche, aufrichtige Weihnachten und das ebensolche Silvester unter dem blauen Mond Bad Gleichenbergs. Ich fühle mich geehrt, ein Teil dieser festen Bande sein zu dürfen.
Selbst wenn ich heute den ganzen Tag zu Verarbeitungszwecken des Geschehenen tief durchatme und mir die Tränen in schön regelmäßigen Abständen die angegessenen Wangerln runterrollen.
Dieses Jahr gibt uns Saures.
Silvester in einer Kurklinik für Hautkranke verbracht, um einer Freundin Halt zu geben.
Zu Weihnachten eine 400GB-Festplatte voll mit nie gesehenen Videos von unserer Kindheit 1986 - heute bekommen. Danke, Onkel Däd.