Zu gegebenem Anlass möchte ich hier kurz mal, in hochanständiger Form, ein Gedenken an ein Mädchen aussprechen, das ich früher immer verteufelt, verachtet und verspottet habe. Ich nannte sie Brokkolitussi (insgeheim natürlich, aber bestimmt hat sies über ein paar Ecken doch erfahren). Ich hasste sie besonders deshalb, weil sie a) nicht geraucht hat, b) jeden zweiten Tag (morgens!) laufen gegangen ist, c) sich von nährstoffreichem Essen ernährt hat, d) sehr schlank war und e) bereits morgens um 10 die erste Lernphase hinter sich hatte. Gut, dafür hatte sie keinen Freund. Sie schien trotzdem nicht unglücklich zu sein.
All diese Dinge empfand ich als äußert uncool und stempelte die Menschen, die sich damit auseinandersetzten als Gefangene des Gesundheitwahns, Sportfanatiker und Ökoschlampen ab und stopfte sie fein säuberlich in Schubladen. Aber wenn man sich das überlegt, ist dieses Verhalten äußerst seltsam. Wir bleiben nämlich nicht für immer 25. Ich weiß das, ich war gestern bei meiner Großmutter auf Besuch. Ich hatte aufgrund ihrer generationsübergreifenden Erzählungen den Eindruck, der Sprung von 25 auf 40 geht sehr schnell. Genauso von 40 auf 65. Als ich geboren wurde, war meine Oma erst 41 Jahre alt. Das ist ja kein Alter, aber jetzt lebt sie allein mit ihrer frechen Miezekatze und das Leben wird für sie zusehens beschwerlicher. Ich glaube, sie leidet unter Schlaflosigkeit, langweilt sich allein, findet es aber zu stressig, sich einen Freund zum Reden zu suchen.
Aber wir kleinen Hupfer sehen dem Älterwerden respektlos entgegen. Es ist in diesigen Kreisen gesellschaftlich 100mal anerkannter, täglich 12 Joints zu bauen, als Vegetarier zu werden oder mit dem Rauchen aufzuhören. Ich glaube, wir sind total verrückt: Wir kiffen, wir rauchen, wir schütten jeden Tag Kaffee und Alkohol in uns rein, essen Dinge aus Südafrika und Chile, und sehen es als Belohnung an, wenn wir uns einmal McDonalds gönnen (obwohl uns hinterher schlecht ist und satt sind wir auch nicht geworden). Wir denken keinen Deut an Morgen. Wir kapieren nicht mal, dass sich eine andere Lebensweise direkt auf jeden einzelnen jetzigen Tag auswirken könnte. Weil nach Lola gibt es nichtmal ein Morgen, es gibt immer nur hier und jetzt.
Lol²a lächelt. Ich muss nachlesen, was dies alles bedeutet.
Mittwoch, Juni 13
Montag, Juni 11
Hurra, ich rauche nicht mehr!
Ich hab ziemlich viel Geschirrschlepperei hinter mir, letzte Woche gefühlte 1000 Stunden, in echt 30, aber es hat Spaß gemacht, ich konnte massig Obst und Kuchen nach Hause karren und das Rauchen hat mir, trotz Stress oder Langeweile, kurzen Nächten & vielen Versuchungen (gemma Rauchen? = Pause), gar nicht gefehlt. Ein bisschen enttäuscht war ich von meinen Mitmenschen, dass sich sich fast gar nicht für mich freuen, sondern die Sache eher missbilligend aufnehmen. Oder sie glauben mir nicht, dass ich das schaffe. Aber das macht nichts, ich war früher genauso. Ich danke k, dass sie mir einen Anstoß gegeben hat, dies durchzuziehen. Während der vielen Ubahnfahrten konnte ich dann ein Buch über gesunde Ernährung lesen, man glaubt gar nicht, wieviel gelesene Weisheit zwischen Margaretengürtel und Praterstern passt und man erspart sich die Ubahnzeitung.
Jetzt pack ich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg nach Hause, das liebe Schwesterlein feiert heute ihre Matura und da sitzt man dann gemütlich bei einem teuren Essen dabei und gratuliert. Die Mama hat die Spendierhosen an und ich krieg das Zugticket retour, also fahr ich hin. J²'s Laptop im Gepäck, im Zug sitzen, Ernährungsweisheiten, niederösterreichische Landschaft; mehr braucht der Mensch nicht. Außerdem ist Montag und die Züge sind mittags hoffentlich leer. Treffe zwischen Zugfahrt und Familienfeier noch kurz st, der mit mir über gesamtheitliche Heilmethoden reden will. Diese Welt ist toll, weil wir uns von einem platonisch verliebten Pubertätspärchen zuernsthaften, liebevollen gfernsten, aber liebevollen Gesprächspartnern entwickelt haben. Es ist der einzige, der übrig ist, und den ich von ganzem Herzen mag. Und auch immer gemocht habe.
Jetzt pack ich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg nach Hause, das liebe Schwesterlein feiert heute ihre Matura und da sitzt man dann gemütlich bei einem teuren Essen dabei und gratuliert. Die Mama hat die Spendierhosen an und ich krieg das Zugticket retour, also fahr ich hin. J²'s Laptop im Gepäck, im Zug sitzen, Ernährungsweisheiten, niederösterreichische Landschaft; mehr braucht der Mensch nicht. Außerdem ist Montag und die Züge sind mittags hoffentlich leer. Treffe zwischen Zugfahrt und Familienfeier noch kurz st, der mit mir über gesamtheitliche Heilmethoden reden will. Diese Welt ist toll, weil wir uns von einem platonisch verliebten Pubertätspärchen zu
Donnerstag, Juni 7
Ein Gedenktag
Meine tolle WG, zumindest der Teil, der sich zugehörig fühlt, hat soeben mit hervorragendem, sizilianischen Rotwein auf mich angestoßen, weil ich mir (nach dem phänomenalsten Kartoffelbrokkoliauflau meines Lebens) die letztes Zigarette meines Lebens angezündet habe. Ich bin jetzt Nichtraucher!
Mittwoch, Juni 6
Kehrseiten
Der Kerl ist erstmals richtig krank und k liegt vermutlich gerade glückselig und bikininackend im Burgenland auf thermalen Strandpritschen rum (Cocktails, strammer Soldat und das alles), und deshalb wird der Großputz abgeblasen. Also vielleicht im wahrsten Sinne. Nun denn, das wirbelt keinen Staub auf, denn der Staub in dieser Wohnung krustet bereits, vorallem im Gewürzregal. Großputz, mein Großputz, du musst auf mich warten. Ich bin traurig und glücklich zugleich darüber. Denn das alles ergibt für mich zusätzlich zu k's Wohlergehen, welches unbestreitbar der wichtigste Punkt sein muss, einen freigemachten Tag, an dem ich mich weniger mit thermalen Cocktailsbars und mehr mit der Motiviation österr. Sprichwörter beschäftigen darf. Alles zu seiner Zeit! Aber eins soll noch gesagt werden: Der Mann hinter der Wand kocht mir morgen Brokkoli-Kartoffelauflauf und alle die nicht da sind, verpassen etwas! Vermutlich kann jedoch kein Kartoffelauflauf der Welt ein Knutschwochenende in heißem Wasser aufwiegen. Nein, ich sehe das ein. Oh Mann, der mit Liebe und Plüsch bewaffnete Soldat klaut uns das kleine Mädchen! Ich sehe es erst am 16. Juni wieder! Naja, er hat Liebe und Plüsch (ich hab jedoch mehr Haare am Kopf, zählt das?), und was haben wir? Dreck unter der Spüle, Dreck hinterm Kühlschrank, Dreck hinterm Ofen. Nene, damit kriegt man kein kleines Mädchen aus dem Wohlfühlparadies zurück in die krustenschrubbende Sklaverei. Und so muss sich sich wenigstens nicht mit dem Mann hinter dem Wohnzimmer herumärgern. Der Affe hat Spaghetti gekocht und im einzigsten Sieb, das wir besitzen, lagen schon Salatblätter vom Vortag rum. Der Typ hat allen Ernstes die Spaghetti abgeseiht und die Salatblätter wieder zurück ins dreckige Sieb drapiert. Er denkt, wir merken sowas nicht.
Nachtrag: Eben ruft mich ein besorgt klingender Wurm an und bittet um Aufklärung wegen seines verschollenen Fortsatzes. Kleines Mädchen, das ist fahrlässig!
Nachtrag: Eben ruft mich ein besorgt klingender Wurm an und bittet um Aufklärung wegen seines verschollenen Fortsatzes. Kleines Mädchen, das ist fahrlässig!
Montag, Juni 4
Soldaten, Kuchen & Kaffee
Tja, morgen ist es für k soweit. Das kleine Mädchen bekommt Besuch, mitsamt Entführung werweißwohin, vom großen Soldaten. Bei mir wars damals kein Soldat, nein, viel eher ein umweltschützender Bombenleger, und die Entführung sah eher so aus, dass wir - anstatt in ein Hotel - in mein mikriges, kleines, aber sehr extravagant herausgeputztes Studentenheimzimmer verschwunden sind, um die herrlichsten Küsse auszutauschen. Der Soldat ist älter und ein viel ärgeres Kaliber, obwohl ich den Umweltschützer damals schon sehr tricky fand. Beide schreiben sie Briefe, aber der Soldat schreibt täglich mehrere Emails, die so lang sind, dass man scrollen muss. Da fällt mir ein, was scrolla auf Schwedisch heißt, nana. Halt die Klappe, Fräulein, die Sache mit dem Soldaten ist glaub wirklich ernst.
Er will herkommen und standesgemäß bei Kuchen und Kaffee vorstellig werden. Tatsächlich! Und er will, dass wir unseren Großputz gegen seinerseitiges Knutschen eintauschen. Niemals, Kerlchen! Aber naja, vielleicht sollten wir den Tag doch verschieben, wenn der Kerl erst im Herbst aus dem "Krieg" zurückkehrt (wo halt grad alle österr. Soldaten ihren Auslandsaufenthalt absolvieren, ihr wisst schon). Schmusen macht glücklich, das hat schon die Kleine auf l's Party wieder und wieder festgestellt und der neue Kronenzeitungsreport meint ja, je besser der anfängliche Sex, desto mehr Chance habe eine spätere Ehe auf Halt, Ausdauer und Pensionsantritt. Ich gönn jedem eine gute Knutscherei. Jedem! Ich hoffe nur, der Kerl bringts! Er muss sehr von sich überzeugt sein. Er weiß, dass es gut ist; er ist sehr selbstbewusst. Das ist ein sehr gutes Zeichen! Der Bombenleger war genauso - und er sollte Recht behalten. Solche Kerle sind einfach ganze Männer. Sie lassen keinen Zweifel zu und sie können 'Ich liebe Dich' sagen und stehen dazu. Anfangs sagen sie vielleicht noch 'Ich hab dich lieb', aber ich sags dir, kleines Mädchen, nicht kotzen, wenn er mal den echten Satz sagt. Solche Kerle sagen das und sie meinen es so. Freu dich! Das wird toll! (Kommt der Typ eigentlich in Uniform? Kannst du ihn darum bitten?)
Er will herkommen und standesgemäß bei Kuchen und Kaffee vorstellig werden. Tatsächlich! Und er will, dass wir unseren Großputz gegen seinerseitiges Knutschen eintauschen. Niemals, Kerlchen! Aber naja, vielleicht sollten wir den Tag doch verschieben, wenn der Kerl erst im Herbst aus dem "Krieg" zurückkehrt (wo halt grad alle österr. Soldaten ihren Auslandsaufenthalt absolvieren, ihr wisst schon). Schmusen macht glücklich, das hat schon die Kleine auf l's Party wieder und wieder festgestellt und der neue Kronenzeitungsreport meint ja, je besser der anfängliche Sex, desto mehr Chance habe eine spätere Ehe auf Halt, Ausdauer und Pensionsantritt. Ich gönn jedem eine gute Knutscherei. Jedem! Ich hoffe nur, der Kerl bringts! Er muss sehr von sich überzeugt sein. Er weiß, dass es gut ist; er ist sehr selbstbewusst. Das ist ein sehr gutes Zeichen! Der Bombenleger war genauso - und er sollte Recht behalten. Solche Kerle sind einfach ganze Männer. Sie lassen keinen Zweifel zu und sie können 'Ich liebe Dich' sagen und stehen dazu. Anfangs sagen sie vielleicht noch 'Ich hab dich lieb', aber ich sags dir, kleines Mädchen, nicht kotzen, wenn er mal den echten Satz sagt. Solche Kerle sagen das und sie meinen es so. Freu dich! Das wird toll! (Kommt der Typ eigentlich in Uniform? Kannst du ihn darum bitten?)
Sonntag, Juni 3
Anfangsstadium Nichtraucher nach Allen Carr

Nun gut, ich bin auf Seite 77 und hier steht:
Ehrlich gesagt:
"Schreiben Sie Ihre persönliche Erklärung. Fragen Sie sich dazu zum Beispiel: Was, glaube ich, bringt mir das Rauchen? Warum rauche ich? Warum will ich damit aufhören?"
1. Was mir das Rauchen bringt:
- Ich komme besser durch schwierige, emotionale, aufregende, persönliche, mir wichtige Gespräche, wenn ich Zigaretten bei der Hand habe und mir eine nach der anderen anzünde. Wenn ich eine Zigarette rauche, kann ich besser nachdenken und mich präziser artikulieren. Jedes intime Gespräch wird durch Zigaretten einfacher, weil ich mich an etwas halten kann, ich zünde mir Zigaretten an, inhaliere bedeutungsschwanger, puste den Rauch vielsagend von mir, drücke den Zigarettenstummel nachdenklich aus (um z.B. eine Pause zu gewinnen, peinliche Momente zu überwinden, usf.)
- Ich bringe langweilige Momente, wartende Situationen mit einem Ritual rum, das mindestens 10 Minuten dauert. Ich kann Pausen erhaschen, indem ich rauche. Was täte ich in der Zeit sonst?
- Ich kann jemand, mit dem ich reden will, bitten, mit mir eine Zigarette zu rauchen. Bei der Gelegenheit kann ich Themen anschneiden, die ich sonst schwerer anbringen könnte.
- Ich belohne mich mit einer Zigarette, wenn ich lange bei einer Arbeit gesessen bin. Ich bin entspannter, wenn ich während des Arbeitens Rauchpausen machen darf.
- Das Rauchen bringt mir also Entspannung, Ruhe, Erholung, Gesprächssituationen, Tätigkeit in langweiligen Situationen, Ablenkung von peinlichen Situationen, Stressresistenz.
- Am Wichtigsten scheint für mich die Zigarette zum Gespräch zu sein.
Ich rauche, weil ich abhängig bin.
3. Warum ich aufhören will:
Ich will gesünder leben und nicht frühzeitig an Krebs sterben. Ich möchte nicht erst mit Rauchen aufhören, wenn ich mal schwanger werde. Ich möchte unabhängig sein und das Geld für gesunde Ernährung, Schuhe und Serien-DVDs ausgeben.
Samstag, Juni 2
Freunde der Nacht
Es ist alles vorbereitet, wir haben ein Partytermin auf die Beine gestellt, ein Budget, dessen Rahmen wir selbstverständlich gesprengt haben, um hernach ein bisschen reumütig eine Partyspendenkasse zu basteln. Aber nichts desto trotz sind wir bereit, 1,5 Meter hohe Bierpaletten warten auf Komamutige, 6 Stamperl stehen für Auserkorene im Wandschrank, mit einer Flasche Honigschnäpsle aus dem Schwabenland nebendran und werden zu jeder vollen Stunde aufgefüllt. 2 riesige Schüsseln Erdäpfelkäse stehen im Kühlschrank, voll schaumigster Sahne und Pfefferkörnern, dazu 12 Packungen Brot. Die Flügeltüren stehen offen, Käsespätzle im Ofen. Das Spiel kann beginnen...
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